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Wanderung am Aletschgletscher/Wallis (18.-19.07.2009)

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Noch fast in der halben Nacht ist Aufbruch in Malsburg und um 9:00 Uhr Treffpunkt in Brieg am Bahnhof. Im letzten Moment erreichen wir den Postbus hoch nach Blatten. Obwohl das Wetter nicht gerade einladend aussieht, ist der Bus proppenvoll. Wir steigen um in die Seilbahn nach Belalp auf 2.098 m und kehren nach sehr kurzem Fußmarsch schnell im Hotel Belalp ein. Einige haben noch Nachholbedarf für das verpasste Frühstück. Der Blick aus dem Fenster ist nicht gerade einladend: Wolken verhangene Berggipfel, alles ziemlich grau in grau, regnerisch und recht kühl. Regensachen werden hervorgeholt, die Rucksäcke gut gegen Nässe geschützt und los geht’s. Der sonst so herrliche Postkartenblick in Richtung Aletschgletscher sieht recht bescheiden aus. Es folgt ein glitschiger Abstieg zur neuen Hängebrücke über die Gletscherschlucht. Sie wurde vor 2 Jahren fertigestellt, liegt auf 1.605 m Höhe, ist 1 m breit, genau 124 m lang und schaukelt 80 m über der tosenden Massa zum darunter liegenden Grünsee - ein wirklich imposantes Bauwerk. Die überquerung ist ein wahres Erlebnis. Nun folgt ein kräftiger Anstieg durch den Teifewald, ein sich selbst überlassener, hauptsächlich mit Arven bewachsener Bannwald. Wir erreichen die Riederfurka am frühen Nachmittag, unser Quartier für die kommende Nacht. Inzwischen hat sich das Wetter wesentlich verbessert, die Bergipfel sind fast frei, die Sonne scheint, aber es bleibt recht frisch. Am Abend soll im Garten der Villa Cassel ein Film gezeigt werden. Wir bleiben alle fern, weil es einfach zu kühl ist. Ein Abendspaziergang in der untergehenden Sonne Richtung Hohfluh gibt uns die Entschädigung für die vorangegangene Regenwanderung: der weite Gletscher präsentiert sich in seiner vollen Breite in ungeheurer Stille, die Gipfel scheinen im letzten Sonnenlicht, ein einmaliges Naturerlebnis.

Die Villa Cassel ist eine Besonderheit, denn ihr viktorianischer Fachwerkstil passt so garnicht in die walliserische Bergwelt. Ernest Cassel, ein reicher Londoner Bankier, ließ sie 1902 errichten und man stelle sich die damaligen Bedingungen vor. Keine Hubschrauber, LKW oder Bergbahn. Sämtliches Baumaterial und später die komplette Einrichtung wurden aus dem tiefen Rhonetal mit Lasttieren auf 2.065 m hochgeschafft. Lord Cassel war Asthmatiker, sein Leibarzt hatte ihm geraten, einen Teil des Jahres wegen der besseren Luft auf großer Höhe zu verbringen. So reiste er jeweils im Sommer über viele Jahre vor dem Ersten Welkrieg mit einem ganzen Geschwader von Bediensteten, die hauptsächlich aus dem Rhonetal rekrutiert wurden, auf die luftige Höhe und war großer Gastgeber des britischen Empire. Auch Winston Churchill, den er später in Finanzdingen beriet, war dort mehrmals zu Gast. Heute beherbergt die Villa die schweizerische Naturschutzorganisation Pro Natura mit einem Museum und Übernachtungsmöglichkeiten.

Nach etwas unruhiger Nacht im Massenlager und vortrefflichem Frühstück brechen wir bei herrlichstem Wanderwetter in Richtung Märjelensee auf, Sonnenschein, aufgelockerte Bewölkung, kühle, frische Luft. Wir wandern durch den Aletschwald weit oberhalb des Gletschern. Auf einmal sehen wir eine Unmenge Hirsche unterhalb unseres Weges. Bestimmt sind es zwischen 30 und 40 Tieren. Auch sehen wir später oberhalb immer wieder vereinzelt Gemsen. Der Gletscher zieht sich wie eine Schlangenlinie durch das Tal. Noch sind der Konkordiaplatz mit Mönch und Jungfraujoch nicht zu erkennen. Wie eine dreispurige Autobahn wirkt der etwa 25 km lange und an seiner dicksten Stelle 1.000 m tiefe Eispanzer, ein gewaltiges Naturereignis. Am Märjelensee gibt es eine Pause, dann geht es weiter über die Märjelenhütte und über Schneefelder hoch zum Eggishorn, dem höchsten Punkt unserer Bergtour auf 2.926 m. Die Bergbahn nach Fiescheralp und Fiesch und anschließend das Bähnle nach Brieg bringen uns zurück zu unseren geparkten Autos. Ein Teil der Gruppe kehrt in Frutigen, der andere in Kandern zum gemeinsamen Abenessen ein. Es war wiederum ein einmaliges Wandererlebnis.

Bilder:
links oben:
links Mitte:
links unten:
rechts oben:
rechts Mitte:
rechts unten:

Arche Noah am Hotel Belalp
Aletsch am Märjelensee
letzter Halt vor Anstieg zum Eggishorn
die Hängebrücke über die Massa
Detlef berichtet von “Prioritäten” u. Villa Cassel
die ganze Truppe an der Riederfurka

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